Seitdem ich denken kann war der Fussball der Mittelpunkt meines Lebens und viele Freunde, Bekannte und Menschen assozierten den Namen Meik Schmidt automatisch mit der Materie Fussball. Fleiß, Ehrgeiz und der Wille zum Erfolg öffneten mir in frühen Jahren Türen, die nicht jedem Menschen zugänglich sind. Ich nahm beispielsweise an Lehrgängen der Jugend-Nationalmannschaft des DFB teil und spielte mit Leuten aus den großen Profi-Klubs zusammen, die es Jahre später zu nahmhaften Profis schafften. Im Alter von 15 Jahren verließ ich mein Elternhaus, um bei Borussia Mönchengladbach mein Glück als Profi zu suchen. Später spielte ich viele Jahre in der semi-professionellen Oberliga Hessen und machte mir als junger Spieler einen Namen in der Region.
Und dann? Mit 25 Jahren Karriere-Ende? Die besten Fussballer-Jahre kommen doch noch?
Im Leben ändern sich nun mal Werte! Dinge, die einem früher wichtig erschienen, sind es auf einmal nicht mehr. Es ist nur wenige Jahre her, als es für mich kein Problem war, ca. 2:30h Fahrzeit pro Trainingeinheit auf mich zu nehmen. Tägliches Training und die Vorbereitung auf Spiele waren wichtiger als Freunde, Familie und Freizeit.
- Meik, hast Du Lust auf den Geburtstag zu kommen? Nein, ich kann nicht, da ich Samstag ein wichtiges Spiel habe!
- Meik, wollen wir heute Abend noch eine Kleinigkeit trinken gehen? Nein, ich bin total platt von der Trainingswoche!
- Meik, wollen wir im Sommer in den Urlaub fliegen? Sorry, ich kann nicht mit, wir haben Vorbereitung!
Oft musste ich meine Freizeit dem Fussball opfern und Freunde vernachlässigen. Eine Alternative wäre ein Wechsel in einen Verein, der zwei, drei Klassen tiefer spielt, so dass die Trainingsintensität nicht so hoch ist. Aber hier wäre ich auch nicht glücklich gewesen, da ich zu Ehrgeizig bin und der Erfolg ein wichtiger Bestandteil ist, ohne den ich keine Freude am Spiel hätte.
Beruf im Vordergrund
Mit jedem Jahr und jeder neuen Saison hat der Reiz am Fussball ein kleines Stück nachgelassen. Nachgelassen auch in dem Sinne, dass ich den Fussball gelassener angegangen bin und nicht mehr akribisch an der Fussballkarriere gearbeitet habe. Das lag wahrscheinlich auch daran, dass ich begonnen habe, an einer anderen Karriere zu arbeiten: nämlich an meiner beruflichen Karriere.
Auch wenn ich in jungen Jahren im Fussball sehr viel erreicht habe und bereits am Profi-Fussball schnuppern konnte, war mir immer bewusst, dass es ein Leben nach dem Fussball gibt. Die Wahrscheinlichkeit, durch den Fussball für seinen Lebensabend vorzusorgen, ist ziemlich gering.
Ich schrieb zwei Absätze zuvor, dass Jahr für Jahr der Reiz am Fussball nachlies. Der Reiz, sich beruflich weiterzuentwickeln, stieg dafür kontinuierlich an.
Verletzungen
Die Kehrseite der Medaillie beim Leistungssport ist nun mal der Raubbau am Körper. Nahezu tägliches Training, der Gang an seine Leistungsgrenzen und Verletzungen sind nun mal auf Dauer Gift für den Körper.
Im Jahr 1999 wurde ich an der Ferse operiert und fiel in meiner Mönchengladbacher Zeit 11 Monate aus. Aus einer Routine-Operation hieß es zu guter Letzt die Diagnose Invalidität! Aber ich zeigte den Ärzten, dass dies nicht der Fall war, und kam wieder zurück auf das Spielfeld.
Wenige Jahre später, nämlich in der Sommervorbereitung 2004, passierte das, wovor sich jeder Fussballer fürchtet. Nach einem Zusammenprall diagnostizierten die Ärzte einen Kreuzbandriss. Auf der einen Seite waren beide Kreuzbänder im rechten Knie nicht komplett zertrennt, aber wirklich viel war nicht mehr vorhanden. Da nur sehr wenige Ärzte in der Lage sind, das hintere Kreuzband überhaupt zu operieren, stand wieder in den Sternen geschrieben, ob ich es jemals wieder zurück auf den Fussballplatz schaffen würde. Doch mit harter Arbeit und viel Krafttraining hatte ich bereits nach vier Monaten meinen ersten Einsatz nach der Verletzung.
Wie man sieht, habe ich in Sachen Verletzungen schon einiges erlebt, aber in meiner letzten Saison merkte ich, dass mein Körper erste nicht zu unterschätzende Signale ausgibt. Langsam und schleichend bemerkte ich leichte Beschwerden in der Leiste. Es begann eine Odysee der Schmerzen und Arztbesuche. Eine komplette Saison spielte ich mit Beschwerden und Schmerztabletten, versuchte mit Dehnübungen, Krafttraining und Massagen die Entzündung aus meinem Körper zu bekommen. Aber mein Körper musste der jahrelangen Belastung Tribut zollen.
Anders, als bei meinen beiden vorherigen Verletzungen stand für mich fest, dass der Zeitpunkt gekommen ist, Rücksicht auf seinen Körper zu nehmen. "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!".
Nach dem Fussball
Knapp ein 3/4 Jahr nach meinem Karriereende bereue ich die Entscheidung nicht. Ich genieße meine Freizeit und zeitliche Unabhängkeit. Natürlich bin ich weiterhin sportlich aktiv, aber in einem Rahmen, den mein Körper zulässt. Auch beruflich geht es nun Vorwärts: ein Jahr nach meinem letzten Spiel wechsel ich meinen Arbeitgeber.


